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Auszug aus der Chronik des Lehrers Kalthoff

August Friedrich Wilhelm KALTHOFF

wurde geboren am Montag den 24. April l876 nachmittags 5 3/4 Uhr zu Emmerich im Schulhause, er wurde getauft am Sonntag den 28. Mai 1876 in der evg. Kirche durch Pfarrer Vielhaber. Seine Pathen sind: 1) Peter Wilhelm Kalthoff, sein Großvater 2) Ehefrau Lehrer Baum, damals Fräulein Virginie Tidden.

Im Anfang war er ein schwächliches Kind, ist aber jetzt (Herbst 1883) der am stärksten gebaute. Das Sprechen hat er sehr langsam gelernt. Stets hat er sich gern für sich allein beschäftigt und spielt recht sinnig. Vom 17. April 1879 bis Ostern 1887 besuchte er die Kleinkinderschule, von da an ist er Schüler der Volksschule. Seine Fortschritte waren immer gut, gegenwärtig ist er einer der besten Schüler in der 1. Abtlg. der Unterklasse. Den Unterricht empfing er im 1. Jahr bei College Baum, jetzt ist er bei mir. Viele Fähigkeit besitzt er im Schönschreiben, zeichnet sich aber auch durch gutes Nachdenken aus.

17. October 1887 - Bis Ostern 1886 besuchte Wilhelm noch die Mittelklasse unserer Volksschule, zuletzt bei mir, wo er ebenfalls gute Fortschritte machte. Seit dieser Zeit (Ostern 1886) besucht er das Gymnasium. Im Frühjahr dieses Jahres wurde er zur Quinta versetzt, wo er gegenwärtig den 6. Platz einnimmt. Er ist im ganzen noch von ruhigem Wesen und durchaus nicht zerstreut bei seinen Arbeiten, denkt dabei wie früher auch gut nach.

Er spielt wohl auch gern Soldat, wie alle seine Brüder, doch erfreut es ihn nicht minder, auch mit seiner Schwester deren Amusement am Anfertigen von Puppenkleidchen, am Backen und Kochen zu teilen. Sein Betragen war bisher in der Schule ein gutes. Er ist noch kräftig am Körper, doch klagt er oft über Leibschmerzen, er turnt wie Adolf gut.

24. Juni 1888 - Wilhelm ist Ostern zur Quarta versetzt worden. Wie Adolf so hat auch er unter dem Lehrerwechsel zu leiden. Alle Schüler dieser Klasse sind gegenwärtig den Anforderungen ihrer neuen Lehrer nicht gewachsen. Im Zeichnen macht auch er gute Fortschritte. Er besucht jetzt den Katechumenenunterricht bei Pfarrer Reinhard.

18. Jan. 1891- Gegenwärtig ist Wilhelm Schüler der Untertertia und macht recht befriedigende Fortschritte. Am Palmsonntage des vorigen Jahres wurde er confirmiert (am 30. März). Sein Segensspruch lautet: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein. Jes. 43,1.

25. April 1892 - Im April vorigen Jahres wurde Wilhelm nach der Obertertia versetzt. Seine Neigung zum Zeichnen bedrängte im vergangenen Winter die Lust zur Erlernung anderer Kenntnisse zurück, so daß ich beschloß, ihn baldmöglichst zur Kunstgewerbeschule nach Düsseldorf zu schicken. Ende Februar d.J. verließ er das Gymnasium, arbeitete nun weiter im Zeichnen und trat am 18. April (2.Ostertag) in Gesellschaft seines Bruders Gustav die Abreise nach Düsseldorf an. Dort hat er nun gefunden, was er gesucht, ein zufriedenes Leben in der Ausbildung zum Zeichnen. Er wohnt mit Gustav zusammen bei Schuhmacher Obhoff, Wielandstr. 19.

Leider hatte er am 27. März das Unglück, sich dadurch, daß ihm unser morsch gewordener Gartenzaun beim Öffnen der Gartenthür auf das Bein fiel, sich den Fuß zu verstauchen, was ihn 14 Tage an das Bett fesselte. Der Unfall hinderte ihn daran, die Düsseldorfer Schule schon mit Beginn des Schuljahres, vom 4. April an, zu besuchen. Zwei schöne Kreidezeichnungen, die Wilhelm im Laufe des vorigen Jahres anfertigte ("Im Hochlande" und "Zerstörtes Raubnest") ließ ich ihm als Weihnachtsgeschenk einrahmen, dieselben hängen jetzt über dem Sopha im besten Zimmer.

15. April 1894 - Wilhelm hat nun die Kunstgewerbeschule vom 18. April 1892 an bis Mitte März 1893 besucht. Er hat sich daselbst laut seiner Zeugnisse durch großen Fleiß und sehr gutes Betragen ausgezeichnet und infolge dessen auch sehr erfolgreich gearbeitet. Ich hoffte, zur praktischen Erlernung der Dekorationsmalerei, für die er sich entschlossen, eine billige und passende Stellung hier bei Püntmann für ihn zu finden. Hier wurde er auch als Lehrling angenommen. Aber gar bald zeigte es sich, daß er hier nicht am richtigen Platze war. Wirklich gute Arbeiten fanden sich nicht, und im Laufe des Sommers kam es sogar vor, daß Wilhelm in Kellerräumen kälken mußte. Da hielt ich es für geraten, ihn dort aufhören zu lassen.

Den vergangenen Winter über bildete er sich im Zeichnen und Malen zu Hause weiter aus und hatte dabei verschiedene Male Gelegenheit, auch bei Bekannten in der Stadt Arbeiten auszuführen, so bei dem Photographen Hill eine Wand in seinem Atelier und bei Kaufmann von Riesen einen Hausflur zu dekorieren.

Um für ihn eine, wenn auch nur bescheidene, Gehülfenstelle zu bekommen, wandte ich mich um Vermittlung an den Collegen von Birgelen in Bonn. Durch dessen freundschaftliches Entgegenkommen hat sich denn auch gar bald ein gutes Unterkommen gefunden.

Am 4. März d.J. konnte Wilhelm von hier abreisen, um sich bei dem Dekoraten Möslein in Bonn vorzustellen. Dieser entschloß sich bald, ihn als Gehülfen anzunehmen, und ihn am folgenden Tage anfangen zu lassen.

Adolf war von Siegburg früher gekommen, um seinen Bruder vom Bahnhofe abholen und den 1. Tag seines Daseins dort mit ihm verleben zu Können. Am Nachmittage des 4. März erhielten wir von den beiden die telegr. Mitteilung, daß Wilhelm angenommen sei, worüber wir uns denn von ganzem Herzen freuten.

Aus allen Briefen, die wir bisher von Wilhelm erhielten, geht hervor, daß er sein Glück vollauf gefunden. Sowohl der Umgang mit neuen Bekannten, die herrliche Umgegend, als insbesondere die guten Arbeiten, die er nun auszuführen hat, haben auf sein Gemüt aufs vorteilhafteste eingewirkt und ihn ganz glücklich gemacht. Er kommt da an Dekorationen in der Kirche, an Glasmalerei, selbständige Malerei in Hausfluren usw. Im 1. Monat verdiente er täglich 2,25 M. Jetzt hat er 2,50 M. Zur nützlichen Abwechslung ist er einem Turnverein beigetreten. Adolf gehörte in Hamm auch einem solchen bei.

28. Okt. 1894 - Heute empfingen wir von Wilhelm die Trauernachricht, daß sein Meister Jos. Möslein nach längerem Leiden am 26. d.M. gestorben sei. Durch diesen Sterbefall wird sich Wilhelms Lage wohl wieder verändern.

20. April 1895 - Wilhelm hatte das Glück, neue Beschäftigung in Honnef bei Gustav's Meister zu finden. Dort hat er den ganzen Winter hindurch hinreichende und schöne Arbeit gehabt: Er und Gustav sind auch jetzt daselbst noch beschäftigt. Weihnachten und Ostern waren sie beide bei uns zum Besuch. Wilhelm verdient tägl. 3,50 M. Leider ist Meister Fuchs aber ein sehr unpünktlicher Zahler.

14. Juli 1896- Im Sommer vorigen Jahres arbeitete Wilhelm zuletzt bei Baumann in Honnef, da Fuchs sein Geschäft niedergelegt hatte. Hier war ich in den Herbstferien auf 8 Tage bei ihm. Ende September gab er diese Stelle auf und kam auf kurze Zeit nach Hause. Hier machte er sich fertig zur Reise nach Bitsch, wo Gustav arbeitete. Am 4. October reiste er dorthin und kam da glücklich an. Unterwegs machte er von Bingen aus eine Fußtour durchs Nahethal.

Im vergangenen Herbst arbeitete er bis 1. December in Dieuze, Saarburg (Lothr.), Zabern. Von da an ist er bis jetzt stets in Straßburg gewesen. Im Januar wanderte er nach Colmar (mit Gustav) um sich dort als Freiwilliger in das 14. (Mecklenburger) Jägerbatallion aufnehmen zu lassen. Die Einstellung ist ihm geglückt. Im October d.J. wird er also Jäger.

Eine besondere Freude machte er uns dadurch, daß er nach Adolphs Photographie eine Kreidezeichnung anfertigte, die wir jetzt schon besitzen. Auch von meiner Photographie hat er eine solche Zeichnung angefertigt, die er im kommenden Herbst mitbringen wird. Vor seinem Eintritt ins Militär wird er uns 4 Wochen besuchen, worauf wir uns alle sehr freuen.

7. Nov. 1896 - Wilhelm ist von Ende August bis 13. October bei uns gewesen, was uns allen rechte Freude machte. Während dieser Zeit legte er vielen Fleiß an den Tag. Er gab 2 Bettstellen einen neuen Nußbaumholzanstrich und 4 Schränke strich er in Eichenholzfarbe an. Außerdem malte er 2 Stillleben für den Gastwirt Sandhövel, die dieser für 40 M ankaufte. Dann fertigte er auch noch 3 Kreidezeichnungen an, die Porträts seiner Eltern und seines Bruders Adolf, letzteres von neuem, da das erste beschädigt worden war.

Mit dem 15. October steht er nun als Jäger in Colmar. Er hat sich da schnell zurecht gefunden, ist zufrieden mit seinen Vorgesetzten und mit dem Soldatendienst. Gestern schickten wir ihm zum 1. Male ein Paket und 5 M.

3. Sept. 1897 - Nun hat Wilhelm schon bald sein erstes Militärdienstjahr beendet. In der vergangenen Woche ist er mit ins Manöver marschiert, was im Schwarzwald stattfand. Er dient in der 3. Companie des Grohsherz. Mecklenb. Jägerbatall. N. 14, was zum Badenschen Armeecorps gehört.

Im Juli und August des Jahres hatte er 3 Wochen Urlaub, wovon er 16 Tage bei uns verbracht. Bisher hat er alle Strapazen, die das Soldatenleben mit sich bringt, recht gut überstanden.

8. März 1898 - Im October vor. J. wurde Wilhelm Gefreiter, worüber wir uns alle herzlich freuten. Den Winter über hat er Rekruten ausgebildet, seit Februar hat er viel in den Wohnungen seiner Vorgesetzten gearbeitet und wird jetzt zum Dienst nur wenig herangezogen.