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Auszug aus der Chronik des Lehrers Kalthoff

Selbstbiographie des Lehrers Friedrich Wilhelm Kalthoff

Am 3. November 1846 wurde ich zu Plettenberg in Westfalen geboren. Mein Vater, ein geborener Plettenberger und verehelicht mit Sophie Luise Stahlschmidt, war an der dortigen Kreis-Gerichts-Commission Kanzlei Diätar.

Von meinem 6. bis 14. Lebensjahre besuchte ich daselbst die evg. Elementarschule. Es lag meinen Eltern am Herzen, mich zu einem recht brauchbaren und gottwohlgefälligen Menschen zu erziehen, weshalb sie mich zu einem regelmäßigen Schulbesuch, zum Fleiß in Lernen wie häuslicher Arbeit sehr anhielten und mich schon vom 10. Jahre an in den Katechumenenunterricht schickten.

Als ich 12 Jahre alt war, wünschte mein Vater, ich möchte mich dem Lehrerstande widmen. Dieser Wunsch war aber mehr eine Bestimmung, ich selbst fühlte nicht die wirkliche Neigung zu dem Beruf. Nun, der Anfang zur Vorbereitung wurde gemacht. Ich genoß bald Privatunterricht im Klavierspielen, in der französischen und englischen Sprache, in Algebra und im Zeichnen. Zu häuslichen Arbeiten, wie der Mutter zur Hand gehen, im Garten wirthschaften, Holz aus den Waldungen herbeiholen, Arbeiten, die ich mit Lust betrieb, blieb nun weniger Zeit übrig.

Im Gebüsch schweifte ich aber noch gar zu gern umher; auch das Baden in der Else, das Fischfangen, Schlittenfahren hatte für mich nicht wenig Reiz. Gar gern gedenke ich noch der Jahre, in welchen ich der frohen Knabenspiele mich recht oft hingeben konnte. Gerade durch diese habe ich die Umgegend meiner Vaterstadt, die an Naturreizen keinen Mangel hat, nach allen Richtungen kennen gelernt und meinen Heimathsort sehr lieb gewonnen; auch haben sie gewiß viel dazu beigetragen, daß ich als ein blühender Junge aufwuchs, gestärkt in Gottes freier Natur, unberührt von durch ein häusliches Stillleben erzeugten Kränklichkeiten.

Die Fortschritte im Lernen haben darum aber andere und auch mich nicht immer befriedigt. Gewiß hätte ich auf meine Studien mehr Zeit verwenden sollen. Hätte ich ein anderes Ziel als das Lehreramt vor Augen gehabt, wäre das vielleicht auch geschehen. Am liebsten besuchte ich die Zeichenstunden.

Am 14. April 1861 wurde ich vom Pfarrer Schirmer confirmiert. Pfarrer S. hat auch meinen Vater confirmiert und getauft. Nach der Confirmation brachte mich mein Vater nach dem 3 Stunden von Plettenberg entfernten Werdohl. Hier wurde ich bei einem guten Bekannten, einem Schneider einlogiert, und erhielt meine weitere Fortbildung bei dem meinem Vater wohlgesinnten Pfarrer Brachmann und Lehrer Luncke.

Leider dauerte der Aufenthalt an diesem Orte nur ein Jahr. Er war mir lieb geworden durch die freundliche Behandlung, welche ich seitens der Lehrer genoß und durch den Umgang recht strebsamer Knaben von meinem Alter. Von letzteren waren es besonders die Brüder Heinrich und Julius Böing, die sich mir als Freunde anschlossen. Mit Heinrich Böing habe ich noch mehrere Jahre hindurch aus der Ferne correspondiert.

Im März 1862 zogen meine Eltern von Plettenberg nach Eilpe bei Hagen, wo mein Vater in eine Feilenhauerei als Faktor eintrat. Trotz des schlechten Verdienstes, welchen mein Vater hier hatte, ging er nicht von dem Plan ab, mich zum Lehrer heranbilden zu lassen. Von nun an besuchte ich die Elementarschule des Lehrers Heufer in Hagen und genoß bei demselben auch den nöthigen Privatunterricht.

Von großem Nachtheil war es für mich, daß ich den Umgang guter und fleißiger Altersgenossen, wie ich ihn in Werdohl gefunden, ganz entbehren mußte. Einige Schüler, die auch von Eilpe her die Heufer'sche Schule besuchten, mit mir also den Hin- und Rückweg zurücklegten, gefielen sich meistens lieber in unlauteren Gesprächen und unnützen Thaten. Dazu kam, daß mich statt des christlichen Geistes, der mich in Werdohl wohlthuend umgab (ich gedenke hier lobend des Pfr. Brachmann und der Mutter der beiden Böing's) von Seiten des Lehrer Heufer ein weltlicher umwehte.

Es war ein Glück für mich, daß ich schon mit Anfang des folgenden Jahres von Hagen wegkam. Lehrer Heufer hatte mir bei seinem Freunde, Lehrer Heckhoff in Menden bei Mülheim a.d. Ruhr eine Gehülfenstelle verschafft. Meine Eltern freuten sich über eine solche Anstellung, ich aber wußte nicht, ob ich düsteren oder frohen Muthes in die Zukunft schauen sollte.

Am 2. Januar 1863 trat ich (in Begleitung meines Vaters) die Reise in die "weite Fremde" an. Eine kleine braune Kiste (jetzt, Jan. 1880, dient sie zur Aufbewahrung der Schmuckgegenstände vom Weihnachtstisch) barg meine wenigen Habseligkeiten. Es war ein kalter Wintermorgen und ich fror in der 4. Wagenklasse des Eisenbahnzuges nicht wenig. Von Herrn Heckhoff und seiner Familie wurden wir sehr freundlich empfangen. Abends reiseten mein Vater wieder ab. (Bem. die Reise mit meinem Vater machte ich im Dezbr. 62, am 2. Januar reiste ich allein).

Es gefiel mir in meiner Stellung und an dem Orte recht wohl. Ich war nicht gewohnt, große Ansprüche zu machen. Ich bewohnte in dem schönen, auf einer Anhöhe gelegenen Schulgebäude ein kleines Dachstübchen, von wo ich eine reizende Aussicht auf das Ruhrthal genoß, und worin ich mich zwischen Bett, Kleiderschrank, Tisch, Stuhl und Kiste leicht zurecht fand. Wenn es nicht zu kalt war, arbeitete ich in diesem Stübchen, sonst in der Wohnstube der Familie.

Das Unterrichten in der Schule machte mir manche trübe Stunde; denn eines Theils hatte ich zu wenig Kenntniß hiervon, und anderen Theils war ich zu eifrig. Hätte ich Jemand zur Seite gehabt, der mich anleitete, ich wäre ihm gewiß sehr dankbar gewesen. Herr Heckhoff war wohl freundlich und sah gern, wenn ich fleißig war, gab mir auch dann und wann einen Wink beim Lehren und Lernen; im Uebrigen aber ließ er mich schalten und walten und ich war zu blöde, ihn des Oefteren um Rath zu bitten. Das Lernen wurde mir viel erschwert durch die Unruhe, die im Familienzimmer herrschte, denn Herr H. hatte 10 Kinder.

Lichtpunkte in dem Leben in Menden waren die öfteren Bauernvisiten, besonders in der Winterzeit. Die fetten Würste, der Braten, der dicke Reis, das Obst, etc. wovon die Frau Bäuerin dann vorzusetzen pflegte, dufteten einem schon im Schulhause entgegen. Das Gähnen vor Langeweile bildete allerdings gegen 11 oder 12 Uhr Nachts den Schluß der Mahlzeit; doch im guten Andenken blieben die freundlichen Bauern, und gern ging ich abermals mit zur Visite.

Lange währte das erste Vierteljahr. Ich sehnte mich nach den Osterferien. Endlich standen sie vor der Thür. Ich konnte nun auch meinen ersten Verdienst, 10 Thaler, in Mülheim holen. Da war ich reich. Mit großer Freude eilte ich am 1. Ferientage zum Bahnhof und reisete zu meinen Eltern. Die waren froh, mein Bruder war froh, ich nicht minder über das glückliche Wiedersehen. Diese Ferien waren vielleicht die schönsten von denen in den nächsten 5 Jahren.

Nach Verlauf einiger Zeit wurde ich mit dem Nachbar Schwarz bekannt. S. hatte eine Frau und 3 erwachsene Söhne, besaß ein Bauerngütchen und betrieb mit gen. Söhnen die Stellmacherei. Das biedere Wesen der beiden Alten, die Fröhlichkeit und Gutmüthigkeit der Söhne, besonders des jüngsten derselben Johann gefiel mir.

Die Leute hatten keine reiche Einnahme, sie lebten in bescheidenen Verhältnissen; aber ein froher Sinn, wohl Zufriedenheit und echte Arbeitslust war ihr kostbares Gut. War die Arbeit gethan, so steckte sich der gute Alte eine Pfeife an, holte, wenn es das Wetter erlaubte, einen Stuhl vor die Thür, rief seine Söhne herbei (seine gute Frau hatte stets zu wirthschaften) und unterhielt sich mit ihnen über vergangene Tage oder wichtige Tagesereignisse. Gar oft habe ich dem Manne zugehört und mich in der Gesellschaft seiner Familie erholt und ermuntert.

Als ich von Menden verzog, fühlten wir gegenseitig, wie sehr wir uns aneinander gewöhnt hatten und nahmen nicht  ohne Rührung Abschied. Johann S. hat später als Soldat die Feldzüge gegen Oesterreich und Frankreich mitmachen müssen. Aus dem letzten kehrte er bald, am Arme verwundet wieder zurück.

In Mülheim an der Ruhr errichteten mehrere Hautplehrer eine Vorbereitungsschule für die in der Stadt und Umgegend angestellten Gehülfen. Ich habe dieselbe fleißig besucht und hatte nun größere Anregung zur Fortbildung.

Mein Aufenthalt in Menden wärte bis 1. Mai 1865, von welchem Tage an der Sohn des Herrn Heckhoff, Paul H. in meine Stelle trat. Nachdem ich 8 Tage lang einen Gehülfen in Dümpten bei Mülheim a.d.R. und 4 Wochen hindurch einen erkrankten Lehrer in Borbeck bei Essen vertreten, trat ich am 13. Juni als Gehülfe bei Herrn Lehrer A. Feld in Oberhausen ein, übernahm ein Jahr die 3. Klasse und dann die 2. in dessen Schule.

Hier begann für mich ein neues, durchaus von dem früheren abweichendes Leben. Ich hatte hier ein Einkommen von 60 Thalern jährlich und frei Station. Zuerst logierte ich 4 Wochen lang im Hause des Gastwirths und Zugführers Fenneken und bezog dann ein Zimmer bei Herrn Feld. Herr Feld beherbergte außer mir noch den Gehülfen Friedrich Nohlen aus Holten.

Die Familie des H.F. war nicht zahlreich. Seine erste Frau war gestorben, ebenfalls die Kinder von derselben; mit seiner zweiten besaß er nur einen Knaben, Hans; ein anderes war im bald nach meinem dortsein gestorben. Später wurden ihm noch zwei Mädchen, Martha und Elisabeth geboren.

Meine Vorbereitung zum Gehülfenexamen nahm in den ersten Wochen meine ganze freie Zeit in Anspruch. Ende August legte ich dasselbe am Mörser Seminar ab, und erhielt das lang ersehnte Zeugniß; es ist datiert v. 1. Sept. 1865.

Die drei Jahre meines Aufenthaltes in Oberhausen rechne ich zu den glücklichsten meiner Jugendzeit. Es mangelte hier nicht an Anregung zum eifrigen Lernen. Im Deutschen und in der Pädagogik unterstützte mich und später auch den Vetter des genannten Fr. Nohlen, mit ihm gleichen Namens Herr Feld selbst, dessen gesunde Bildung und Fürsorge wir recht schätzen lernten. Vor allem war er uns Gehülfen ein Vorbild eines charakterfesten Mannes. Mit ruhigem Ernst und ungezwungener Heiterkeit leitete und erheiterte er unser Thun und Treiben. Mißmut konnte da gar nicht aufkommen.

Meine Stellung in Oberhausen war eine recht geachtete und der Verkehr mit den Einwohnern daselbst ein recht lebendiger. Gern denke ich an die Tage zurück, die ich mit den Collegen und Stubengenossen, den Familien Castel (Chausseeaufseher), Hammesfahr (Stadtsecretair), hauptsächlich aber der Familie Feld verlebte.

Mit Lehrer Feld und Lehrer Nohlen unterhalte ich noch jetzt (Oct. 1887) einen schriftlichen Verkehr. Oberhausen war damals noch klein. An Schulen fanden sich nur eine dreiklassige evangel. und eine dreiklassige katholische nebst einer höheren Privatschule (Lehrer Feld'sens Bruder und Fräulein Dallas) vor.

Da meine Eltern unbemittelt waren und ich nicht wußte, auf welche Weise ich während des Besuchs eines Seminars die Kosten bezahlen sollte, so entschloß ich mich, mein Lehrerexamen ohne Absolvierung des Seminarkursus zu machen. Umso mehr mußte ich auf eine gute Vorbereitung zu diesem Examen bedacht sein. Das Examen fand am 2., 3. und 4. Septbr. 1868 zu Mörs statt, und es gelang mir, dasselbe zu bestehen. Ich konnte mich nun, was ich schon länger im Sinne hatte, mit Hülfe des Zeugnisses, das in fast allen Fächern genügende Prädikate aufwies, zu einer Lehrerstelle in Duisburg melden.

Schon am 1. Oktober 1868 fand ich dort eine Anstellung in einer 3. Knabenklasse, welcher der von mir bis jetzt noch hoch geschätzte Lehrer Niewöhner als Hauptlehrer vorstand. Meine Anstellung war selbstverständlich eine provisorische; im Anfang bezog ich ein Gehalt von 275 später 300 Thalern. In Duisburg wohnte ich bei meinen Eltern in einem, dem Schuhmacher und Winkelier Schlottmann gehörenden Hause in der Kloster-Straße.

Meine Eltern und mein Bruder waren 1864 nach Schwelm, woselbst mein Vater wieder eine Stelle am Gericht fand, und 1865 nach Duisburg verzogen. Hier bekleidete mein Vater zunächst eine Secretairenstelle bei einem Rechtsanwalt und ging einige Zeit später zum dritten male zum Gericht über. Hier ist er bis zu seiner Pensionierung (1883) als Diätar tätig gewesen. In Duisburg freute ich mich zur Bestreitung der Ausgaben meiner Eltern etwas beitragen zu können.

Mein lieber Bruder Gustav war während der Zeit meines 4 jähr. Aufenthaltes in Duisburg Lehrergehülfe bei von der Heydt in Meiderich u. Hollenberg in Holthausen bei Mülheim. Seine große Neigung zum Lehrerberufe und seine trefflichen Gaben bewogen ihn, womit mein Vater sich nach langem Besinnen einverstanden erklärte, das Seminar in Mörs besuchen(1870).

Mit sehr gutem Erfolge, doch mit vieler Einschränkung und Sparsamkeit, hat er dasselbe durchgemacht und 1873 verlassen. Er fand darauf eine Anstellung in Hochfeld bei Duisburg (Hauptlehrer Hüttemann).

Im Seminar hatte er noch Muße gefunden, die Stolzesche Stenographie und die französische Sprache zu erlernen. Da ihm nun aber der Lehrerberuf nicht mehr zusagte, trat er in das Gerichtsfach ein. Nach Verlauf eines Jahres hatte er seine Lehrzeit am Gericht in Duisburg beendet, sein Examen in Hamm bestanden und sah sich nun bald als Actuar in Duisburg angestellt.

Nach Einführung der neuen Gerichtsordnung meldete er sich zur Anstellung als Gerichtsvollzieher. Eine solche erhielt er 1880 in Essen. Hier begann für ihn eine Zeit reger Thätigkeit und äußerer Wohlhabenheit. In kurzer Zeit besaß er das Vertrauen seiner Vorgesetzten und Geschäftskunden in vollstem Maße. Leider aber sollte seinem rastlosen Streben bald ein Ziel gesetzt werden, seine Freude an seinem aufblühenden Heim eine sehr kurze sein. Am 31. März 1883 verstarb er infolge Erkrankung an Typhus. (Näheres in der 4. u. 6. Abtheilung.)

Am 7. November 1869 machte ich mit meinem Vater eine Reise nach Köln, um dasselbst bei dem Klavierbauer Schulte, der aus Plettenberg stammte, ein Piano zu kaufen. Wir vereinbarten, daß bis zum nächsten Weihnachtsfest ein neues fertiggestellt und nach Duisburg geschickt werden solle, der Preis wurde auf 275 Thaler festgesetzt. Das Instrument langte rechtzeitig an und hat sich als ein sehr gutes bewährt.

Gedachte Reise machten wir bis Düsseldorf gemeinschaftlich mit Herrn Gerichtsscheiber W. Heerbeck und dessen Frau Marie geb. Ducoffre. Wir schlossen uns diesen auf einige Stunden bei einem Gang in die Stadt Düsseldorf an, woselbst die Frau Heerbeck mit ihrem Mann ihrer Schwester Auguste einen Besuch abstatte. Letzere diente bei Frau Witwe Feltmann am Karlsplatz als Zweitmädchen. Nach einigem Warten in einem naheliegenden Gasthaus hatte Frau Heerbeck ihre Schwester abgeholt und kam mit ihr zu uns. Ich sollte hier in dieser Auguste Ducoffre zum ersten Male meine zukünftige Frau erblicken. Sie war damals 18 Jahre.

Nach frühzeitiger Rückkehr von Köln machten wir abends noch einen Rundgang durch Düsseldorf und einen Besuch einer Theater-Vorstellung. Es wurde das Stück "Die Stumme von Partici" gegeben.

An diesen Besuch in Düsseldorf schlossen sich meinerseits nun bald mehrere an. Was mich zu meiner, nun bald Braut gewordenen Auguste hinzog und dauernd an sie kettete, war ihr frisches, blühendes Aussehen, namentlich aber das stets heitere und sehr freundliche Wesen gegen jedermann, und nicht minder ihre Arglosigkeit, Aufrichtigkeit und ihr großer Fleiß in häuslicher Beschäftigung. Diese Tugenden und Eigenschaften sind ihr ohne Ausnahme bis zur heutigen Stunde voll und ganz erhalten geblieben (22.1.93). Das Urteil meines teueren Bruders über sie lautete: Sie ist ein reines Naturkind, die Welt hat nichts an ihr verdorben.

Da sie im Frühjahr 1870 wieder in ihr elterliches Haus zurückkehrte, so genoß ich von da an ihren Umgang öfter und freier. Unsere Eltern billigten das Verhältnis gern, um so mehr da sie bald davon überzeugt waren, daß wir miteinander glücklich waren.

In der Zeit des Brautstandes bereitete ich mich für die Wiederholungsprüfung vor und legte dieselbe in den letzten Tagen des October 1872 am Mörser Seminar ab. Mein erstes Zeugnis wurde durch dieselbe aufs neue bestätigt, so daß ich jetzt auf eine definitive Anstellung Anspruch machen konnte.

Bis 1878 bezogen die Klassenlehrer ein so geringes Gehalt, daß an die Gründung eines eigenen Hausstandes nicht zu denken war. Um mir dies zu ermöglichen, bewarb ich mich um eine Stelle an einer einklassigen Schule. Noch vor meiner Wiederholungsprüfung wurde mir eine solche in der Ortschaft Moyland bei Cleve übertragen. Ich trat in dieselbe am 1. November 1872 ein.

Bevor ich jedoch dahin übersiedelte, verheiratete ich mich. Die Hochzeit fand am 3. November im Hause meiner Braut statt, die kirchliche Trauung vollzog Pfarrer Hörle. Schon am folgenden Tage mußte ich mit meiner Frau Duisburg verlassen und nach Moyland ziehen. Am 5. November wurde ich durch den Lokalschulinspektor Pfr. Greeven in mein neues Amt eingeführt. Die Zahl der Kinder betrug nur 19.

Der holländische Ausdruck Moyland heißt zu Deutsch schönes Land, und der an Naturschönheiten reiche Ort verdient auch diesen Namen.

Leider waren aber die Verhältnisse, in die ich mich hineinversetzt sah, nicht der Art, daß sie gleichfalls hätten schön genannt werden können. Außer freier Wohnung und Garten bezog ich als Lehrer und Organist (oder vielmehr als Harmoniumspieler) ein Gehalt von 275 Thalern. Da im Orte kein Kolonialwarengeschäft war, so mußten wir unsere Lebensmittel mit Hülfe des Boten Verführt und dessen Hundewagen von Cleve oder Calcar beziehen; auch Butter, denn die verkauften die Bauern nur in großen Wellen auf den Märkten. Milch erhielten wir nur durch die Güte des Herrn Baron von Steengracht, Besitzer des ganzen Moyland.

Da das Einkommen so gering, die Ausgaben aber recht beträchtlich waren, so mußte ich sehr darauf bedacht sein, den Garten zu pflegen. So war meine Arbeit eine wohl angestrengte. Nun, ich hatte auch eine fleißige Frau, und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft spornte uns jeden Morgen an, getrost und freudig an das Tagewerk zu gehen. Im 2. Jahre unseres dortseins bekam ich ein Gehalt von 350 Thalern. An meinen Schulkindern habe ich viele Freude erlebt. In sittlicher Beziehung und Fleiß brauchte ich wenig oder gar nicht über sie zu klagen, mein Verkehr mit ihren Eltern konnte kein besserer sein. Schon nach einem Jahr betrug die Schülerzahl über 30. Dieses hatte seinen Grund in dem Bestreben des Barons, seine Pachtgüter vorzugsweise mit evangel. Bauern zu besiedeln. Einen rechten Schulfreund erhielt ich durch den Zuzug des Bürgermeisters Heckmann.

Am 2. Sept. 1873 feierte die Schule das erste Sedanfest. Sie beging es im Verein mit sämtl. Nachbarschulen, die zu dem Zweck nach Moyland ausflogen. Turnspiele, Obstverteilung usw. bereiteten der Jugend und auch den Erwachsenen ein rechtes Vergnügen. Freilich, wären die Gaben zu einer Kinderbescherung und zur Verschönerung des Festes größer gewesen, hätte die kath. Geistlichkeit die Veranstaltung des Festes gern gesehen, so hätte der Tag ein Jubeltag werden können.

Am 4. August 1873 bescherte uns Gott unser erstes Söhnchen. (Näheres weiter unten) Nun hieß es erst recht sich einschränken. Am Tauftag und später hatten wir die Freude, unsere Eltern und andere Verwandte aus Duisburg bei uns zu sehen.

Wohl fühlten wir uns im Laufe des 2. Jahres in Moyland schon recht "zu Hause" und wir hatten kein groß Verlangen nach Wiederfortziehen. Da überraschte mich eines Tages ein Gesuch des Pfr. Reinhardt zu Emmerich, ich möchte mich an die dort durch Pensionierung des Lehrers Dyckerhoff frei gewordenen Klassenlehrerstelle melden. Zuerst gab ich abschlägigen Bescheid. Da aber danach das Gehalt in E. auf 400 Thaler nebst freie Wohnung gesetzt wurde und abermals ein Ersuchen zur Meldung einlief und wir von der reichen Emmericher Gemeinde eine viel bessere Zukunft erhofften, so entschlossen wir uns zur Annahme dieser Stelle.

Ich trat dieselbe am 1. Oktober 1874 an. Der Umzug war bereits Mitte September erfolgt. Zuerst wohnten wir recht beschränkt in dem damaligen Pommerinschen Hause im Neuen Steinweg. Hier wurde am 27. September unser Adolf geboren. (Näheres weiter unten) Nach einem halben Jahr zogen wir in die Steinstr. zu Witwe Tegel (jetzt Uhrmacher Fassin). Hier blieben wir bis April 1876 und erhielten dann eine Dienstwohnung im Schulgebäude. Diese bestand in den ersten Jahren nur aus 2 (1 schönes und großes und 1 kleines) Etagenzimmern und 3 Söllerzimmern, später hatten wir die ganze Etage, 5 Räume, inne.