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Auszug aus der Chronik des Lehrers Kalthoff

Gustav August Wilhelm KALTHOFF

wurde geboren am 4. August 1873 Montag Nachmittag 3 Uhr im Schulhause zu Moyland bei Cleve und getauft in der dortigen Kirche am Sonntag den 7. September 1873 durch Pfarrer Greeven. Als Pathen fungierten: 1) Gustav Kalthoff, sein Onkel, damals Seminarist in Mörs 2) Ehefrau Aug. Ducoffre aus Duisburg, seine Großmutter.

In seinem ersten Vierteljahr war er äußerst schwächlich, man glaubte, es sei ihm nur eine sehr kurze Lebenszeit beschieden. Im Winter 1874 bekam er einen heftigen Breuneanfall, wodurch wir abermals für sein Leben sehr besorgt wurden. Zum dritten Male schwebte er in Lebensgefahr im Mai 1877, indem er sich durch einen Sturz auf der Söllertreppe eine erhebliche Wunde auf dem Kopfe zuzog.

Nachdem er 3 Jahre die Kleinkinderschule bei Fräulein Borlinghaus besucht hatte, trat er am 17. April 1879 in die hiesige Volksschule ein. Diese hat er 4 Jahre lang bei seinem Vater besucht. Von April 1883 an ist er Schüler des hiesigen Gymnasiums. Er ist ein recht folgsames Kind, lernt meistens zur Zufriedenheit, neigt jedoch leicht zur Zerstreutheit, wovon seine Nervenschwäche wohl viel die Ursache zu sein scheint. Mit Vorliebe betreibt er das Zeichnen.

17. Octob. 1887 - Es war ihm bei seiner geringen Begabung nicht möglich, eine höhere Stufe als die Quinta zu erreichen, weshalb ich dazu übergehen mußte, ihn im Herbst 1885 in die hiesige Rectoratschule eintreten zu lassen. Obwohl er auch hier keine hervorragenden Resultate erzielen wird, arbeitet er doch mit Fleiß und meistens zur Zufriedenheit, sein Betragen aber gibt zu keinem Tadel Anlaß. Seit Anfang dieses Monats besucht er den Confirmandenunterricht bei Herrn Pfarrer Reinhardt und wird, so Gott will, im nächsten Frühjahr confirmiert werden. Zu Hause geht er einem gern zur Hand, ist überhaupt gern gefällig und recht verträglich im Verkehr mit seinen Geschwistern. In Bezug auf seine künftige Lebensstellung kann noch nichts bestimmt werden. Sein körperlicher Zustand ist ein recht gesunder, er ist für sein Alter ziemlich groß.

24. Juni 1888 - Gustav ist nun confirmiert und weilt schon in der Fremde. Der Tag seiner Confirmation ist der 13. Mai 1888. Während der Feier mußte er Namens seiner Mit-confirmanden das Glaubensbekenntnis aufsagen. Dies geschah zur vollsten Zufriedenheit. Sein Gedenkspruch steht verzeichnet: 5. Mose 6, 5.6.

Die Bemühungen, ihn etwas lernen zu lassen, wozu er die meiste Neigung zeigte, sind erfolgreich gewesen. Am 17. des Mts. ist er als Lehrling in das Geschäft des Dekorationsmalers Kuschmann in Düsseldorf eingetreten. Allem Anschein nach wird er sich fortan recht wohl fühlen.

18. März 1889 - Seit Mitte Januar d.J. ist Gustav nicht mehr in Düsseldorf. Er mußte diesen Ort infolge des am 6. Januar erfolgten Ablebens seines Meisters verlassen. Gustav hatte in Düsseldorf nicht gefunden, was wir alle für ihn wünschten, nämlich einen tüchtigen Lehrherrn in der Dekorationsmalerei. Sein Meister war nur Anstreicher und Vater von 7 Kindern und hat den Gustav recht ausgenutzt. Gelernt hat G. jedoch viel durch den Bezug der Zeichenstunden in der Handwerkerfortbildungs- und Kunstgewerbeschule. Letztere besuchte er von October bis Januar täglich 2 Stunden lang, erstere von Juli bis Januar jeden Sonntag 3 Stunden.

Nach vielen Bemühungen ist es uns gelungen, ihn in eine neue und sehr gute Stelle zu bekommen. Diese hat er heute angetreten und zwar bei dem Dekorationsmaler Herrn Johann Felbrach in Wesel. Gestern brachte ich ihn zu seinem neuen Meister. Vorläufig ist festgestellt, daß Gustav 2 Jahre lernt und dann noch 1 Jahr als Gehülfe bei seinem Meister arbeitet. Nach Verlauf des ersten halben Jahres verdient Gustav wöchentlich 3 M, in dem Gehülfenjahr 6 M wöchentlich. Kost und Wohnung hat Gustav zunächst im Vereinshause, nach einigen Wochen soll er bei Felbrach wohnen, Kost erhält er aber nicht bei ihm. Da sein Lehrherr viel in Emmerich beschäftigt ist, so wird Gustav recht oft bei uns wohnen Können.

20. Apri 1890 - Gustav's Lehrzeit bei Felbrach währte nur 1 Jahr. Der Meister versprach viel und hielt nichts. Weder hat er ihn in seine Wohnung genommen, noch wollte er die Hälfte des Kostgeldes bezahlen. Daneben kümmerte er sich gar nicht um sein Verbleiben außerhalb der Arbeitsstunden. Nach langen vergeblichen Bemühungen um eine neue Stelle entschloß ich mich, ihn während der Winterzeit eine Fachschule besuchen zu lassen. Dies ist dann auch geschehen. Vom 18. Dez. 1889 bis Ende März d.J. besuchte er die 3. Malerklasse der Kölner Fachschule. Hier hat er sich schöne Kenntnisse und ein gutes Zeugnis erworben. Er wurde in die 2. Klasse versetzt.

Durch Vermittlung meiner Nichte Lisette Nockemann, jetzt in Burg bei Magdeburg Kleinkinderlehrerin, hat sich nun für Gustav eine weitere Lehrlingsstelle bei Herrn August Steinkühler in Barmen-Wupperfeld gefunden. Diese hat er am 8. April d.J. angetreten. Die Aussichten für ihn sind hier überaus gut, wohnt Gustav dort jetzt wie ein Kind bei sehr angesehenen und sehr christlichen Leuten, und bei einem Meister, der streng auf Ordnung hält und einen biederen Charakter besitzt. Gustav muß nun noch 2« Jahre in der Lehre verbleiben.

In Köln verfertigte Gustav seine ersten Ölgemälde: eine Meeresbrandung und eine Winterlandschaft, was uns sehr erfreute.

18. Jan. 1891 - Gustav war in den Weihnachtsferien 14 Tage bei uns. Als Weihnachtsgabe hatte er uns eine sehr schön gemalte Landschaft: Wintermorgen im Walde, mitgebracht. Das Gegenstück hierzu, eine Sommerlandschaft im Walde, nahm er in Arbeit. Bei seinem nächsten Besuch will er es vollenden.

25. April 1892 - Die erwähnte Sommerlandschaft wurde in der nächsten Zeit vollendet. Beide Bilder bilden jetzt einen Hauptschmuck unseres besten Zimmers. Von Oktober v. J. bis 18. März d.J. besuchte Gustav die Kunstgewerbeschule in Düsseldorf und hat den Cursus (seinen 2.) mit gutem Erfolge beendet.

Von Mitte März bis jetzt steht er in Arbeit bei dem Dekorationsmaler Honzel in Düsseldorf, der die Kirche des dortigen neuen Arresthauses dekoriert, auch das ganze Arrestgebäude anstreicht. Er verdient da pro Stunde 33 Pfg. Seine Wohnung und Kost hat er bei Schuhmacher Obhoff, Wielandstr. 19, woselbst sich auch sein Bruder Wilhelm einlogiert hat. Da Herr Steinkühler in Barmen seinem Versprechen, Gustav in allen Arbeiten zu unterweisen nicht nachgekommen war, ihn hingegen fast nur zu den gewöhnlichsten Arbeiten heranzog, so ließ ich ihn (Gustav) im März nicht wieder zu ihm zurückkehren.

15. Jan. 1893 -In Düsseldorf hat Gustav den vorigen Sommer über noch bei verschiedenen Meistern gearbeitet, mußte aber anfangs October dort wegen der allgemeinen Geschäftsstockung aufhören. Er war darauf 14 Tage in Essen bei einem Anstreicher und wohnte bei dem Schwager Franz Haase. Er siedelte dann wieder zu uns über.

Glücklicher Weise fand er hier nach Verlauf von 8 Tagen wieder gute Arbeit, und zwar bei Dekorations-Maler Püntmann, Gasthausstr. Hierbei arbeitet er auch jetzt noch. In der ersten Zeit arbeitete er in der Wohnung der Gebrüder Huyng auf Hochelten, dann bei Baumeister Vosspool, Großer Wall und gegenwärtig im Saale des Wirtes Dresen. Zwar verdient er täglich nur 2 M, doch lernt er auch wieder mehr als in Düsseldorf.

15. April 1894 - Nach der Kirmes im vorigen Jahr stockte die Arbeit bei Püntmann vollständig, so daß Gustav entlassen werden mußte. Durch eine Zeitungs-Annnonce auf eine Stelle bei Engelhard und Kaebrich in Elberfeld aufmerksam gemacht, bewarb er sich um diese und erhielt sie auch. Hier arbeitete er von August bis zu Anfang Dezember. Fast plötzlich wegen Arbeitsmangel entlassen, kehrte er wieder nach hier zurück. Es dauerte jedoch nicht lange, so fand sich durch fleißige Verwendung seiner Großmutter in Duisburg neue Beschäftigung. Dort ist er auch jetzt noch und zwar bei dem Dekorationsmaler und Anstreicher Spindler. Anfangs war er bei der Dekoration des evg. Krankenhauses beim Diakonenhause beschäftigt; jetzt wird er wohl in Privatwohnungen arbeiten.

Ende März kam er zum 2. Male in die Militäraushebung, wird aber auch jetzt, wie im vorigen Jahr hier, ein Jahr zurückgestellt.

23. Juli 1894 - Vor 4 Wochen hat Gustav die Stelle in Duisburg verlassen und eine andere in Honnef bei Maler Fuchs gefunden. Es gefällt ihm da gut; er arbeitet viel auf dem dortigen Sanatorium, einer Anstalt für Schwindsüchtige, einem schloßartigen Bau.

14. Juli 1896 - In Honnef verblieb Gustav bis Ende Juli 1895. Während dieser Zeit besuchte er uns mit Wilhelm zu Weihnachten 1894. Am 4. Juli 1895 wurde er zu Siegburg in Militär-Generalaushebung als "Ersatz" Reservist der Infanterie angeschrieben, wurde demnach nach 2 maliger Zurückstellung militärdienstfrei.

Am 26. Juli begab er sich auf Wanderschaft, kam nach Coblenz, Mainz, Frankfurt, Wiesbaden, Offenbach und von da nach Bitsch, wo er längern Aufenthalt nahm und im Hotel zur Stadt Metz wohnte. Weiter arbeitete er in Dieuze, Saarburg in Lothringen, Offenburg in Baden, durchstreifte Elsaß bis Basel und nahm dann dauernd Arbeit in Straßburg. Im Mai d.J. war er 14 Tage in Küssnacht am Züricher See und reisete dann wieder nach Straßburg zurück. Er arbeitet gegenwärtig mit Wilhelm zusammen und wohnt in der Herberge zur Heimat, Freiburgergasse 3. Die beiden haben nicht immer zusammengewohnt und gearbeitet.

7. Nov. 1896 - Seit 14 Tagen wohnt Gustav zu Straßburg Langestr. 150. Da Wilhelm wegen Eintritt ins Militär seinen Bruder verlassen mußte, ist letzterer jetzt wieder auf sich selbst angewiesen. Gustav ist dem Kirchenchor beigetreten, worüber wir uns recht freuen.

3. Sept. 1897 - Mit dem 17. August d.J. hat Gustav in Ruprechtsau, einer Straßburger Vorstadt, ein eigenes Geschäft begründet, indem er das Geschäft des verstorbenen Malers Rieffel durch Ankauf für 700 M erwarb. Bis dahin war er Gehülfe, 1« Jahre bei Anstreicher Leis, für den er alle vorkommenden Malerarbeiten selbständig ausführte. Vorläufig hilft ihm Rudolf bei der Arbeit. Seine Wohnung befindet sich Hauptstr. 17. Gustav besuchte uns zuletzt in den Weihnachtsferien des v.J.

8. März 1898 - Bis jetzt haben Gustav und Rudolf das Geschäft in befriedigender Weise weitergeführt; doch mußten sie sich den Winter hindurch mancherlei Entbehrungen gefallen lassen, ohne wiederholte Unterstützung von Hause hätten sie kaum existieren können. Für das Frühjahr haben sie reichlich Arbeit in Aussicht, und gehen sie hoffentlich einer gesegneten Sommerzeit entgegen.