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Auszug aus der Chronik des Lehrers Kalthoff

Adolf Robert KALTHOFF

wurde geboren am Sonntag den 27. September 1874, nachts 1 Uhr zu Emmerich, Neuer Steinweg, im Hause des früheren Lohgerbers Anton Pommerin. Er empfing die Taufe am Sonntag den 25. October 1874 in der evg. Kirche durch Pfarrer Reinhardt. Seine Pathen sind 1) Lehrer Adolf Feld zu Oberhausen, vertreten durch den Großvater Peter Wilhelm Kalthoff zu Duisburg 2) Ehefrau Kupferschläger Friedr. Breitenstein von hier.

Von Anfang an bekundete er ein sehr lebhaftes Temperament. An Gestalt wird er wohl klein bleiben, doch berechtigen seine geistigen Fähigkeiten zu der Hoffnung, daß ihm eine glückliche Zukunft bevorsteht. Am 28. Mai 1879 trat er in die Kleinkinderschule ein. Seit April 1880 besucht er die Volksschule, worin er gute Fortschritte macht. Er ist jetzt, Herbst 1883, Schüler der Mittelklasse in der 1. Abteilung. Stets ist er fröhlich und heiter, ein Witzbold und Vielsager. Den Schulunterricht hat er abwechselnd bei mir und College Baum erhalten.

17. October 1887 - Von Ostern 1884 bis Ostern 1885 besuchte er die 1. Klasse, bei Herrn Tidden, und trat sodann ins Gymnasium. 1886 wurde er Quintaner und zu Ostern dieses Jahres Quartaner. Sein aufgeregtes Gemüt war ihm bei seinen Arbeiten oft hinderlich, doch hat er sich immer wieder emporgearbeitet. Hoffentlich steigt er auch im nächsten Frühjahr.

Zu Hause ist er zuweilen überlaut, da er in den meisten Dingen recht haben will. Gehorchen und sich unterordnen fällt ihm schwer. Das Herrschen gefällt ihm lieber. Unter seinen Gespielen ist und bleibt er der Anführer und Leiter. Oft hat er die Kinder aus weiter Nachbarschaft um sich versammelt, und mit ihnen vollführt er allerhand mögliche Soldatenspiele. Nichts geht ihm über das preußische Soldatenwesen. Hiervon spricht er am meisten und liebsten und vergißt darüber leicht die Hauptsache, das Lernen.

Obwohl leicht zur Wortwechselei, ja zum Zorn geneigt, hoffen wir doch, daß seine Gutherzigkeit und sein fröhliches, lauteres Wesen die Oberhand behält. Sein Betragen in der Schule und in den Religionsstunden war bisher gut. An Körper ist er gesund und stark. Mit Vorliebe betreibt er das Turnen.

24. Juni 1888 - Leider ist er zu Ostern in seiner Klasse sitzen geblieben. War er hieran wohl meistens selbst Schuld, so hat doch auch der zu häufige Lehrerwechsel dazu beigetragen. Trüge ich mich nicht sehr, so wird sein Wille mit der Zeit ein guter werden und bleiben und die Neigungen zur Nachlässigkeit auch ganz überwinden. Er besitzt schöne Anlagen zum Klavierspielen. Auch zeichnet er jetzt gut. Seit Pfingsten ist er im Confirmandenunterricht bei Pfarrer Vielhaber.

18. März 1889 - Mit Anfang dieses Jahres besucht er nicht mehr das Gymnasium. Er beschäftigte sich fortan mit Uebungen im Rechnen, Schönschreiben und Aufsatz, dieselben galten als Vorbereitung zum Eintritt in ein kaufmännisches Geschäft.

Zu unserer großen Freude fand sich schon bald eine Stelle für ihn. Herr Kaufmann Richard Becker, Inhaber der Firma J.W. Becker: Engros und Detailgeschäft in Kurzwaren, zugleich Mitglied des ev. Schulvorstandes, nahm ihn am Donnerstag, d. 7. März als Lehrling an. Adolf hat sich dieser Stelle mit besonderer Vorliebe gewidmet, er kommt immer vergnügt nach gethaner Arbeit nach Hause, so daß wir uns der besten Hoffnung für sein ferneres Fortkommen wohl hingeben dürfen. Die Lehrzeit währt 3 Jahre. Seine tägliche Arbeitszeit dauert von 8-12 und 2-8 Uhr. - Nebenbei übt Adolf fleißig das Klavierspielen und hat sich darin schon gute Fertigkeiten erworben.

25. April 1892 - Am 7. März d.J. hatte Adolf seine Lehrzeit glücklich beendet. Die letzten 1« Jahre dieser Zeit verleideten ihm die Freude an dem Geschäfte. Dies hatte darin seinen Grund, daß er alleiniger Lehrling war und somit viele Handlangerdienste und Botengänge zu besorgen hatte, wenig an die Kontorarbeiten kam, desto häufiger aber auf die Verpackungen im Lager angewiesen war, ferner darin, daß sich sein Prinzipal gar nicht erkenntlich zeigte. Nur 3 mal erhielt er ein Geschenk, bei seiner Confirmation 5 M, einmal zu Weihnachten ein Album und vorigen Weihnachten 10 M. Unter solchen Umständen schien es mir geratener, für ihn eine andere Stelle zu suchen.

Nach vielen vergeblichen Bemühungen fand sich endlich eine ihm und mir besonders zusagende in dem Speditionsgeschäfte des Herrn van Oppen hierselbst. Er verdient hier als Commis monatlich 30 M (Herr Becker versprach ihm für das 4. Jahr ein monatl. Gehalt von 15 M) Bei van Oppen genießt er den Umgang von 4 tüchtigen und werten Mitarbeitern, an seinem Prinzipal hat er einen gütigen und um die Zukunft seiner Kontoristen recht besorgten Herrn.

Adolf wurde confirmiert am Palmsonntag, den 14. April 1889. Sein Segensspruch steht Cr. Joh. 13.15: Ein Beispiel habe ich euch gegeben, daß ihr thut, wie ich euch gethan habe.

15. Jan. 1893 - Die Stellung bei van Oppen war für Adolf nur eine vorübergehende, denn er vertrat einen erkrankten Gehülfen. Hätte sich das Speditionsgeschäft weiter ausgedehnt, was man sicher hoffte, so wäre er in die neu zu gründende Filiale in Rotterdam gekommen. Nach vielen Bemühungen gelang es mir endlich, mit Hülfe des Kollegen und Freundes Gräve in Hamm in diesem Orte eine Stelle für ihn zu finden. Seit 1. Juli v.J. ist er nun dort in dem Bürsten- und Pinselgeschäft von Schultz. Dort geht es ihm nun recht wohl. Sein monatl. Verdienst betrug bis 1.Nov. 60, seit diesem Monat 70 M. Er wohnt bei dem Metzger Joh. Middendorf, Nassauerstr. und bekommt da für 45 M monatlich Kostgeld sehr gute Kost und hat eine schöne Wohnung. Weihnachten war er hier, sah sehr gesund aus und war gutes Muts.

13. April 1894 - In dem Geschäfte von Schultz wollte es Adolf nun doch nicht mehr gefallen; es stellte sich auf  einigen Reisen, die er für dasselbe machen mußte nämlich heraus, daß die Kunden schlecht bedient worden waren und Adolf deshalb manchen Unannehmlichkeiten ausgesetzt war.

Da nun die beiden älteren Gehülfen dieses Geschäfts, Buchführer Ruthe und Reisender Jahrand austraten, um ein neues, eigenes Geschäft zu gründen, und diese Herren dem Adolf einen höheren Lohn versprachen, wenn er bei ihnen eintreten wolle, so trat auch Adolf aus dem Schultzeschen Geschäft aus und in die neue Firma, Ruthe und Jahrand, ein. Schon bald nach seinem Eintritt mußte er Geschäftsreisen unternehmen, diese wiederholten sich im Laufe des vergangenen Jahres mehrere Male. Seine erste Reise führte ihn in seine Heimat. Hier sowohl als auch in Elten, Cleve, Wesel etc. erwarb er der Firma R + I eine gute und große Kundschaft. Schon 3 oder 4 mal ist er wieder hier gewesen und hat stets gute Aufträge bekommen. Um das Geschäft weiter ausdehnen zu können, verlegte die Firma dasselbe im Januar d.J. nach Siegburg. Die geringen Preise für die Arbeiten der Gefangenen hatte die Veranlassung gegeben, das Geschäft gerade hierhin zu verlegen. Vom 1. April diesen Jahres an ist Adolf nun inständiger Reisender.

An den beiden Ostertagen war er hier. Nachdem er nach denselben hier und in Elten seine Besuche gemacht, reiste er am Donnerstag d. 29.März weiter nach Cleve, bis wohin ich, Rudolf und Julius ihn begleiteten.

Bei der am 12. April in Siegburg stattgefundenen Militäraushebung wurde auch er, wie Gustav in Duisburg, 1 Jahr zurückgestellt, mit ihm fast der ganze Jahrgang 1874. In seinem Kosthause in Hamm hat er sich sowohl an den Wirthsleuten, Familie Middendorf, als auch an seinen Stubengenossen gute Freunde erworben. Die Zuneigung dieser Leute zu ihm spricht sich in verschiedenen gefundenen Briefen klar aus. Der Umgang mit diesen recht edel gesinnten Menschen wird dem Adolf auch weiterhin noch von Segen sein.

23. Juli 1894 - Adolf ist bis jetzt inständig auf Reisen gewesen. Unter anderen Städten hat er besucht Herborn in Nassau, Cassel, Mainz, Luxemburg und in der vorigen Woche auch meine Vaterstadt Plettenberg (Postkarte von dort vom 19. Juli) und logierte dort im Hotel Schwarzenberg.

18. October 1894 - Mit dem 7. October hat Adolf seine Stellung bei Ruthe und Jahrand aufgegeben. Zwistigkeiten, die sich in dem Geschäft schon öfters zugetragen, hatten ihm das Wirken verleidet. Das mitgebrachte gute Zeugnis spricht dafür, daß ihn gar keine Schuld bei den Reibereien trifft. Ein Nachteil ist ihm durch seinen Austritt nicht erwachsen. Es glückte ihm, noch freiwillig ins Militär eintreten zu können. Am 18. October verließ er uns wieder und trat als Musketier in die 7. Companie des 5. westfälischen Infanterieregimentes N 59 in Aachen ein. Er kam daselbst in die erste Korporalschaft als linker Flügelmann. Er schreibt über seine jetzige Stellung recht zufrieden.

20. April 1895 - Mit dem 30. März befindet sich Adolf in Köln, wohin sein Regiment verlegt worden ist. Er wohnt in der Kaserne an der Ulrichgasse. Am 1. April kam er als Schreiber auf das Batallionsbureau, vorläufig auf halbe Tage. Diese Vergünstigung hat er seinen Kenntnissen und seiner guten Führung zu verdanken. Während seiner Dienstzeit hat er sich auch als guter Schütze ausgezeichnet; sein Lieutnant hat ihn zum Gefreiten vorgeschlagen.

Bei der Feier des Kaisergeburtstages wirkte er in einem Festspiel "Monsieur Herkules", Posse in 1 Akt als "Hanne, Stubenmädchen" mit.  An den Ostertagen war er zum ersten Male in 5 tägigem Urlaub bei uns, worüber wir uns alle herzlich freuten.

14. Juli 1896 - Nun hat Adolf seine Dienstzeit schon bald vollendet, nach 70 Tagen. Er hat sich sehr gut gehalten. Am 1. October vorigen Jahres wurde er Gefreiter und Batallionssprecher, so daß er für das 2. Jahr vom Dienst dispensiert war, nur mußte er noch die Schießübungen mitmachen. Im Urlaub besuchte er uns zu Weihnachten und in den Kirmestagen 10. - 12. Juli. Im August wird er zur Uebung in Friedrichsfeld sein und im Anschluß hieran mit ins Manöver ziehen, das zwischen Dortmund und Soest stattfindet. Er zieht dann als Quartiermacher mit.

7. Nov. 1896 - Adolf war so glücklich, nach Beendigung seiner Dienstzeit eine neue gute Anstellung als Geschäftsreisender antreten zu können und zwar bei Bocks + Cp. in Nisterkammer bei Hachenburg im Westerwald, einer Bürstenfabrik. Vor seinem am 1. October erfolgten Eintritt konnte er noch 5 Tage zu seiner Erholung bei uns verweilen. Gegenwärtig bereist er die Städte im Kohlenrevier von der Ruhr und hat bis jetzt sehr gute Geschäfte gemacht.

7. Sept. 1897 - Im vergangenen Jahr und bis jetzt war Adolf stets auf Reisen. Am 15. Juni trat er von Köln aus, wo er am 12. noch mit Auguste zusammentraf, als diese sich auf der Reise nach Frankfurt befand, eine größere Reise an. Auf dieser kam er nach Hamburg, Berlin, Magdeburg, Dresden, Chemnitz, Zwickau, Cassel, Paderborn usw. Seine Geschäftserfolge waren durchschnittlich sehr gute.

Trotzdem aber entstand zwischen Bocks und ihm ein Konflikt, da dieser ihm die versprochenen Reisespesen nicht auszahlte. Adolf kündigte deshalb diese Stelle und wird nun am 1. Oct. eine andere in Suderwick bei Jagerink, Inhaber einer großen Fleischräucherei und Holzschuhhandlung, antreten. Sein monatl. Einkommen beträgt da 125 M. Er wird in diesem Geschäft mehr Kontorarbeiten verrichten müssen, als Reisen unternehmen. Der Charakter des Jagerinks, die angenehmen Orts- und Wohnverhältnisse versprechen aber das Beste in dieser neuen Stellung. Herr Jagerink hat ihn zwar nur für « Jahr engagiert, will aber sorgen, daß er rechtzeitig wieder eine andere gute Stelle bekommt, ihn auch behalten, wenn es ihm möglich ist. Für die Reisen will er ihm sein bestes Zweirad zur Verfügung stellen. Zu dieser Stelle ist er durch Vermittlung seines Freundes, des Agenten Bovenkerk zu Hagen, gekommen.

Am vorigen Sonntag war Adolf mit uns (5) in Suderwick und verlebten da wie unterwegs sehr angenehme Stunden.

Am 1. März 1898 ist Adolf aus dem Geschäft der Jagerink wieder ausgetreten. Jagerink entließ ihn unter Darreichung eines überaus guten Zeugnisses und mit den besten Wünschen für sein späteres Wohlergehen. Heute am 8. März, hat er eine neue Stelle bei Rud. Tuente in Meiderich, Inhaber eines Kolonialwarengeschäfts en gros, angetreten. Diese Stellung ist zwar auch nur eine vorübergehende, doch kann er da so lange bleiben, bis sich eine passende für ihn findet.