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Dordrecht (van der Linden)
siehe unter Lintorf:
      "Forschung Heintges"
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zuletzt aktualisiert 7.12.2009

Die Suche nach den Spuren der Lintorfer Familie HEINTGES

(Einen ausführlicheren Bericht hierzu kann man auch in der Ausgabe von 2009 der Zeitschrift des Vereins Lintorfer Heimatfreunde "Die Quecke" nachlesen.)

An der Südseite der St. Anna Kirche in Lintorf befindet sich die Grabplatte des Dam Heintges aus dem Jahr 1673.

Anfang der 60er Jahre fand die Tochter des Besitzers der Helpenstein-Mühle, Walburga Fleermann, diesen Grabstein beim Spielen am Mühlteich. Wie lange und warum er im Mühlteich lag, ist nicht bekannt. Vermutlich stammt er aber von dem Friedhof, der einst die nahegelegene St.Anna Kirche umgab und so wurde er an diesen Platz zurückgebracht.

Wann immer ich in den vergangenen Jahren an dieser Grabplatte vorbeiging, stellte ich mir die Frage: Wem wurde eine Grabplatte von solch hervorragender Qualität gefertigt, dass sie Jahrhunderte in Wind, Wetter und Mühlteich nahezu unbeschädigt überstanden hat?

Der Tafel selbst entnimmt man, dass Dam Heintges 1673 im 51. Lebensjahr verstarb und somit 1622 geboren wurde. Das Emblem besagt, dass er Schmied war.

Auf der Rückseite dieses Steins sind noch Reste eines Epitaphs des am 10. April 161? verstorbenen "Hoefschmit" Dam Heintges, dem Großvater des Vorgenannten, zu erkennen.

Eine Schmiede "Heintges" ist in Lintorf seit mindestens 1602 nachgewiesen – aber wer war diese Familie Heintges?

Dieser Grabstein passt einfach nicht in das mir bekannte Geschichtsbild von Lintorf!

Gab es in Lintorf, bis auf die Besitzer und Pächter der wenigen freiadeligen und kurmedigen Güter, vielleicht doch nicht nur Kleinbauern und Kötter, die tagtäglich durch die Bearbeitung des kargen Sandbodens ums Überleben kämpften und in absoluter Armut lebten?

Dem Grabstein nach zu urteilen waren die Angehörigen der Familie Heintges wohlhabend und gebildet. Und doch ist so gut wie nichts über sie bekannt.

Die heutige Lintorfer Evangelische Gemeinde besteht erst seit 1854 und für frühere Untersuchungen über die Lintorfer Bevölkerung im 17. / 18. Jahrhundert wurden bisher nur die Bücher der katholischen Pfarre ausgewertet. Ich habe meine Recherchen auf die umliegenden Gemeinden ausgedehnt und die reformierten Lintorfer Familien dieser Zeit in den Kirchenbüchern der Gemeinden Linnep und Ratingen gefunden.

Taufen, Trauungen und Sterbefälle reformierter Lintorfer Familien wie Brackermann, Friligrath, Heintges, am Senken, Achterwinter, Ritterskamp etc. sind fast ausschließlich in den Registern dieser beiden reformierten Gemeinden aufgeführt und die Familien werden dort auch ausdrücklich als in Lintorf wohnend bezeichnet.

Die Bücher der Ratinger reformierten Gemeinde wurden ab 1664 bis 1679 von dem Prediger Christoffel Henrici geführt. So u.a. ein Verzeichnis aller ab 1666 in Ratingen zum Abendmahl zugelassenen Familien. Über 30 Lintorfer Haushalte sind hier detailiert aufgelistet. (siehe Ratingen - Ref. Familien 1666)

Vorder- und Rückseite des Steins an der
St. Anna Kirche in Lintorf

Gleich auf den ersten Seiten dieses Verzeichnisses steht ein Eintrag, mit dem die Untersuchung zur Familie Heintges eine ganz neue Richtung nimmt:

„Dahm Heintges Schmit Zu Lintorff mein leiblicher Bruder……“

Der Pfarrer Christoffel Henrici ist also der Bruder des Schmiedes Dam Heintges.

Mit dieser neuen Erkenntnis treten natürlich auch neue Fragen auf: Wo hat ein Lintorfer zu dieser Zeit nicht nur Lesen und Schreiben gelernt, sondern sich auch Latein und andere für den Besuch einer Universität notwendigen Kenntnisse angeeignet? Wo mag er Theologie studiert haben?

Meine Recherchen führen mich zunächst nach Duisburg und dort findet sich der älteste erhaltene Nachweis über den Werdegang des Christoffel Henrici: seine Anmeldung am Duisburger Gymnasium.

In den Schülerlisten heißt es:
9. Mai 1650 – Christophorus Henrici oder Hintjes, Montanus, 13 ann., fabri ferrarii filius. Classis Quartae.

Christoph Henrici oder Hintjes, der Sohn eines Schmiedes aus dem Bergischen, besucht also ab seinem 13. Lebensjahr das Duisburger Gymnasium.

Bei der Durchsicht dieser Schülerlisten finde ich weitere bekannte Namen. Am 28. April 1652 wechselt der aus Lintorf stammende Lucas Blaspiel, der bis zu diesem Zeitpunkt das Gymnasium in Emmerich besucht hat, ebenfalls an das Duisburger Gymnasium. Vermutlich folgt er dem Ruf des berühmten neuen Schulleiters, Johannes Clauberg.

Und am 21. Mai 1656 ist die Anmeldung des jüngeren Bruders des Christoffel Henrici, nämlich Reiner Henrici, am Duisburger Gymnasium vermerkt.

Eine weitere Spur findet sich in den ältesten Matrikeln der Universität Duisburg. Auf der Seite 11 (im Jahr 1655) unter der Nr. 17 hat er sich folgendermaßen eingetragen:
„Christophorus Henrici, Lintorpio-Montanus, 18 annorum. Nuper promotus ex classibus Duisburgensibus et nomen professus 19 Octobris“

Den Namen Heintges (Heintgen: umgangssprachlich = Heinrich) latinisiert der 18jährige Christoffel, wie auch viele seiner Kommilitonen, und nennt sich fortan ausschließlich: Christophorus Henrici.

Er ist somit nach Lucas Blaspiel, der sich bereits 1653 in die Duisburger Matrikeln einschreibt und ab 1657 in Leiden und 1662 in Basel studiert, der zweite aus Lintorf stammende Theologie-Student an der Duisburger Universität.

Die reformierte Hochschule in Duisburg wurde unter Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg nach dem Ende des 30jährigen Krieges erschaffen. Im Oktober 1655 wurde sie feierlich eröffnet, hatte aber schon vorher, 1652, ihren Lehrbetrieb als Akademisches Gymnasium aufgenommen. Erster Direktor der Hochschule war der aus Solingen stammende Philosoph und Theologe Johannes Clauberg, der in Holland und Frankreich studiert hatte und 1649 Professor in Herborn wurde. Als es ihm dort verboten wurde, die Lehren Descartes zu verbreiten, wechselte er 1651 an das Duisburger Gymnasium. Ein weiterer wichtiger Lehrer in Christoph Henricis Leben war Martin Hund, ein Pfarrerssohn aus Düsseldorf, der ebenfalls in Holland und Frankreich studiert hatte.

Aus dieser Zeit des Studiums an der Duisburger Universität finden sich weitere Nachweise des Wirkens von Christoffel Henrici in den Dissertationen der Universitätsbibliothek Duisburg unter Signatur ZZXD1002:

Nach 5 Jahren Studium in Duisburg lässt sich der „Student der Theologie Xhristophoro Henrici“ am Mittwoch dem 18. August 1660 in Duisburg ein Kirchenzeugnis ausstellen, um anschließend – wie schon sein Lintorfer Studienkollege Lucas Blaspiel 3 Jahre zuvor – seine Studien in den Niederlanden an der Universität Leiden fortzusetzen. Dort schreibt sich der Theologiestudent am 14. September 1660 im album studiosorum ein.

Die Universität Leiden wurde durch Wilhelm I von Nassau-Oranien als erste Universität der damals jungen Republik der Sieben Vereinigten Niederlande am 8. Februar 1575 gegründet und war Schauplatz großer theologischer Auseinandersetzungen.

Christoph Heintges alias Christophorus Henrici geht nach Abschluss seines Studiums – im Gegensatz zu Lukas Blaspiel, der 1666 Prediger in Königsberg wird – wieder zurück in seine Heimat. Der Prediger der Ratinger Gemeinde Heinius Thomas Balduin war verstorben und nach zähem Ringen gegen seinen Mitbewerber, den ehemaligen Duisburger Kommilitonen Gottfried Peill aus Elberfeld, wird Christophorus Henrici 1664 Prediger der ref. Gemeinde in Ratingen.

In seine Dienstzeit fällt die Grundsteinlegung der ref. Kirche in Ratingen, des heute ältesten reformierten Kirchengebäudes im Rheinland.

Den teilweise sehr ausführlichen Einträgen über die Taufpaten seiner Kinder sowie Nichten und Neffen in den Ratinger Taufregistern ist es zu verdanken, dass die Nachkommen dieser Familie zu Beginn recht gut zu recherchieren sind. Mit Verwunderung registriere ich aber die folgende Taufpaten: Johannes von der Lynden wohnhaft zu Dordrecht, Elisabeth Damessen Witwe des Oheims Conrad Damessen, Adolf Heintges Kaufmann binnen Dordrecht.

Wer ist dieser Oheim Conrad Damissen oder Damessen? Er scheint eine Schlüsselrolle im Leben des Christoffel Henrici gespielt zu haben, ist er doch auch schon in der Disputatio Theologica genannt. Und wer ist Johannes von der Lynden? Und wieso ist ein Adolf Heintges Kaufmann in Dordrecht?

Ich versuche im Internet Hinweise zu finden. Auf der Homepage des Dordrechter Historikers und Genealogen André den Haan, der unzählige Daten – Steuerlisten, Geburtsregister, Notariatsakten usw. – erfasst und veröffentlicht hat, finde ich zwar keinen Adolf Heintges, aber den Namen Conrad Damissen:

Coenraet Damisz.  jong gezel smitsgeselle van Ratinck int Land van den Berg woont op de Rietdijck in "den Gloijenden Oven" en Celiken Jans jonge dochter van Croonenburgh in het Land van den Berg woont bij Jacob Antheunissen in "het Ossenhooft", getrouwd op 29 april 1618

Conrad Damisz, Junggeselle und Schmiedegeselle aus Ratingen im Bergischen Land, wohnend auf dem Riedijk im "Glühenden Ofen" und Celiken Jans, junge Tochter aus Cronenberg im Bergischen Land, wohnend bei Jacob Antheunissen im "Ochsenhof", getraut am 29. April 1618.

Auf dieser Homepage finde ich auch noch weitere Informationen über Conrad Damissen:

  • In der Grundsteuerliste von 1619 ist er mit "9 ponden" für ein von Marinus Augustijnsz gemietete Haus "op de Riedijk" aufgeführt. Sein Beruf wird hier mit "harnasmaker" (= Harnischmacher) angegeben.
  • In der Steuerliste "1000e penning von 1626" steht "Coenrat Dammas harnasmaker" mit 4 ponden, sein Vermögen wird zu diesem Zeitpunkt also auf 4000 Gulden geschätzt.

Trotz der guten Recherche-Möglichkeiten, die die holländischen Archive den Familienforschern im Internet bieten, komme ich von hier aus nicht weiter und beschließe Anfang Januar 2008 nach Dordrecht zu fahren. Die Fahrt mit dem Zug von Venlo nach Dordrecht dauert keine 2 Stunden.

Wie mögen die Reisebedingungen vor 400 Jahren wohl gewesen sein?

Bei eisiger Kälte mache ich mich auf den Weg vom Bahnhof zum Archiv und bekomme einen ersten Eindruck von Dordrecht. Unzählige Häuser aus den vergangenen Jahrhunderten sind erhalten und man erkennt noch heute den früheren Reichtum der Stadt. Sollten im 17. Jahrhundert tatsächlich Lintorfer ihren Weg hierher gefunden haben? War es ihnen vielleicht sogar möglich am Wohlstand, den die alten Häuser des "Goldenen Jahrhunderts" noch heute ausstrahlen, teilzuhaben? Fragen, die sich mir beim Betrachten der Häuser aufdrängen – aber doch sehr unrealistisch erscheinen.

Für Dordrecht sind Kirchenregister ab 1573 erhalten und so versuche ich erst einmal, darin die Spuren dieses Conrad Damissen zu finden. Recht schnell wird mir klar, dass hier damals, anders als bei uns in Ratingen und Lintorf, die Menschen nicht nach ihren Wohnplätzen benannt wurden, sondern man seinem Vornamen den Namen des Vaters anhängte. Und somit heißt Conrad Damissen nichts anderes als: Conrad "Dam's Sohn". Ich habe zu diesem Zeitpunkt zwar noch keinen Beweis, aber immerhin einen ersten Verdacht, dass Conrad Damissen der Sohn des um 1620 in Lintorf verstorbenen Dam Heintges sein könnte.


Meine Hoffnung, in den Taufregistern Bestätigungen meiner Theorien zu finden werden schnell zunichte gemacht: es sind keine Taufpaten, die evtl. Hinweise zu verwandtschaftlichen Beziehungen geben könnten, aufgeführt. Aber in einem Rechnungsbuch der Reformierten Gemeinde finde ich unter dem 6.3.1664 einen Eintrag, dass bei Coenraet Damissen's Tod die Glocken zweimal geläutet wurden:

Und im Verzeichnis der Aufgebote und Trauungen ist die Hochzeit von Conrad Damis, Kaufmann, Witwer aus dem Bergischen Land mit Elisabeth Ruitenburch, Junger Tochter aus Brüggen im Jülicher Land, am 5.2.1641 verzeichnet.

Mit dieser Ausbeute fahre ich erst einmal wieder nach Hause.

Wenn ich auch kein Sterbedatum der Celiken Jans gefunden habe – so ist doch schon sicher, dass Elisabeth Ruytenberg die 2. Ehefrau des Conrad Damissen und die zuvor erwähnte Taufpatin ist.

Im Februar fahre ich ein weiteres Mal nach Dordrecht. Es gibt ja auch noch diesen Hinweis auf "Adolph Heintges Kaufmann binnen Dordrecht". Und es interessiert mich schon, ob in den ab 1589 vorhandenen Notariatsakten Hinweise auf Conrad oder Adolph zu finden sind.

Die Notariatsakten sind durch alphabetische Register sehr gut erschlossen und ich sehe, dass Damissen ein recht häufig vorkommender Name ist. Auch Conrad Damissen, mit unterschiedlichen Berufsangaben, wie Schmied, Harnischmacher oder Kaufmann, ist oft vorhanden.

Aber die Einsicht in die Akten selbst ist dann erst einmal sehr deprimierend! Trotz mehrjähriger Erfahrung im Lesen von alten Schriften habe ich hier keine Chance – die alte holländische Schrift ist vollkommen anders als unsere alte Schrift! Und selbst wenn es mir gelingt, einzelne Worte zu entziffern – sie sind in keinem Wörterbuch vorhanden.


(Auszug aus der unten näher beschriebenen Urkunde vom 7. Mai 1629)

Nicht anders als hiesige Akten aus dem 17. Jahrhundert, sind diese Urkunden in einer uns heute fremd erscheinenden Sprache verfasst! Ich brauche also Hilfe und erfahre bei meiner nächsten Reise nach Dordrecht von anderen Archivbesuchern, dass es einen Genealogen gibt, der auf diese alten Schriften spezialisiert ist – und werde mit André den Haan bekannt gemacht. Er übernimmt die Transkriptionen dieser Texte und ich profitiere in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder von seinem Wissen.

Wie aus den Notariatsurkunden hervorgeht, hat Conrad Damissen seinem Namen später den Zusatz "van der Linden" angehängt. Eine Erklärung, worauf dieses "van der Linden" zurückzuführen ist, haben wir noch nicht gefunden. Aber bereits durch die Transkription der von mir anfangs erst einmal willkürlich ausgesuchten Urkunde aus dem Jahr 1657 bestätigt sich die Berufsbezeichnung des Conrad Damissen bei seiner 2. Eheschließung: Conrad Damissen van der Linden verkauft Wein an einen Arnolt van der Eijck, Bürger in Roermond. Recht ungewöhnlich für einen Schmied und Harnischmacher! Er war also auch Kaufmann oder Weinhändler? Jedenfalls bedeutet es, dass sämtliche Notariatsurkunden, nicht nur die des Schmiedes und Harnischmachers, sondern auch des Kaufmannes Conrad Damissen jetzt für diese Forschung relevant sind.

War es bisher nur eine unbestätigte Vermutung dass es sich bei Conrad Damissen (van der Linden) um den Lintorfer Sohn des Dam Heintges handelt, wird dieser Verdacht im Laufe der weiteren Recherchen nicht nur zweifelsfrei bestätigt, sondern es ergibt sich ein völlig neues Geschichtsbild der Lintorfer und Ratinger Reformierten im 17. Jahrhundert.

Die bisher ausgewerteten Urkunden belegen nicht nur einen unglaublichen Reichtum dieser Familie sondern auch den Umgang und die Freundschaft mit hoch angesehenen Familien, darunter Jacob de Witt, den Dordrechter Bürgermeister und dessen Sohn Johann de Witt, der eine wesentliche Rolle in der niederländischen Geschichte innehatte. Unter seiner Federführung wird 1654 mit England Frieden geschlossen und der Friede von Westminster unterzeichnet.

Die im Dordrechter Archiv vorhandenen Spuren der Familie Heintges scheinen unerschöpflich zu sein: Nicht nur Dam Heintges Sohn Conrad ist erfolgreich als Kaufmann in Dordrecht. Es finden sich ebenfalls Informationen zu den Nachkommen von Dam Heintges Sohn Adolph. Auch sie nennen sich in Dordrecht "van der Linden" und sind hoch angesehene Kaufleute. Ihre Namen sind nicht nur in den Notariatsakten und Kirchenregistern erhalten: in der Grote Kerk von Dordrecht ist noch heute das Grab des Johann van der Linden (Adolphs Sohn) vorhanden.

Im Laufe der Recherchen finden sich auch weitere Lintorfer und Ratinger Namen in den Dordrecht Notariatsurkunden:

  • Am 9. Nov. 1604 heiraten in Dordrecht: Adriaen Frantzsz. Nadelmacher in Dordrecht und Heijlken Wijnands van Batenburch Witwe von Michiel Hermansz. aus Ratingen.
  • Am 9. Februar 1626 heiraten Frans Pietersz. "harnasmaker" aus Ratingen, wohnhafft auf dem Riedijk im "Gloeiende Oven" und Magdalena Andries van Kalckhoven aus Dordrecht, wohnhafft in der Houttuin [heute Voorstraat].
  • "Frans Pietersz, Witwer und Harnischmacher aus Ratingen", heiratet im März 1626 die Mariken Pieter Wijtemansdr aus Dordrecht.
  • Am 7 May 1629 (Urkunde 56-f. 651) erscheint vor dem Notar Daniël Eelbo in Dordrecht: Oloff Willemsz., Brotbäcker und Bürger in Dordrecht, im eigenen Namen und auch aufgrund mündlicher Vollmacht für seinen Bruder Geurt Willemsz. in Amsterdam. Er erteilt "Oloff Heijnckes in Lintdorp" und "Geerart inde Croon in Ratingen" Vollmacht, den Besitz der Neesken opden Hulsdijcken, Witwe von Willem Jansz. Colff, den zu Schooman verstorbenen Eltern von Oloff und Geurt, aufzuteilen, ihren Anteil des Erbes in Empfang zu nehmen und ggf. zu verkaufen und nötigenfalls rechtliche Schritte einzuleiten.
    Als Zeuge unterschreibt Jacobus Gerritsz., wohnhaft in Ratingen. Oloff Willemsz. unterschreibt mit 'W'.

Die Spuren der Familie Heintges in Dordrecht aber sind unzählig. Sie alle weisen auf eine enge Bindung an die Reformierte Kirche, wie auch ein unglaubliches Vermögen hin. Die Familie besaß neben Wohnhäusern, Lagerhäusern und einer Schmiede auch gut angelegtes Kapital und Schiffsanteile. Die Nachkommen des Conrad Heintges alias Conrad Damissen van der Linden, wie auch des Adolph Heintges, gehen Verbindungen mit den achtbarsten Familien ein und gehören noch nach Generationen dem Kreis der wohlhabenden und bekannten Bürgern an.

Aber diese Forschung ist nicht nur aus familiengeschichtlicher Sicht interessant, denn Conrad Damissen unterstützt in ungewöhnlichem Maß die Lintorfer wie auch die Ratinger Reformierten. So bestimmt er bereits in einem Testament von 1632, dass seine Heimatgemeinde 50 Gulden erhalten solle. 1636 sieht er für den Fall seines Todes vor, dass sein Bruder Alff Heintges, der dem Presbyterium der Reformierten Gemeinde Ratingen angehört, eine Summe von 14.000 Gulden erhält und die Armen seiner Heimatgemeinde 100 Gulden. Dies sind noch vergleichsweise kleine Summen mit der die Gemeinde bedacht wird, wenn man den handschriftlichen Nachtrag zu seinem letzten Testament betrachtet, den er an seinen Neffen Dam Heintges adressiert

Auszüge aus dem am 3.7.1663 handschriftlich verfasstem Nachtrag


Nachfolgend eine Zusammenfassung:

3 Juli 1663: Ich verfüge hiermit über die Besitzungen im Bergischen Land, angelegt zum Vorteil unseres studierenden Neffen Christoffel unter der Bedingung dass er als Pfarrer berufen wird, gemäß den bei Dam, Moritz und Adolph Heintges hinterlegten Schuldbriefen im Gesamtwert von 7450 Reichsthalern.
Jeder dieser Briefe erbringt jährlich 5 % Zinsen, zusammen 367 ½ Reichsthaler, mit Commission für Dam und Moritz für das Einziehen des Geldes. Von diesen 7450 Rtlr. soll Stoffel solange er studiert und bis zu seiner Berufung die Zinsen erhalten. Alles, was er von diesen 367 ½ Reichsthalern sparen kann, soll an Moritz, an die Armen oder den Pfarrer zur Zahlung seines Gehaltes gegeben werden, oder an die, die es benötigen. Ich setze die beiden Neffen Dam und Moritz als Betreuer dieser Nachlassenschaft ein und beauftrage ihn, die Schule zu unterstützen, falls Reparaturen notwendig werden oder das Geld zur Bezahlung eines Schulmeistern nicht vorhanden ist. Ich bestimme, dass der Brief auf Hof und Mühle Diepensiepen an die Ratinger Kirche übertragen wird, wenn Stoffel berufen wird. In diesem Fall soll der Brief an die Kirche ausgehändigt werden und die armen Schüler der Schule 2000 Rtlr bekommen, die Zinsen sollen eingezogen und den Armen übergeben werden, die ihren Pfarrer nicht bezahlen können oder deren Schule soll unterstützt werden. Handele nach bestem Gewissen. Von den restlichen 5450 Gulden soll Bruder Heinrich, bzw. seine Kindern 2225 Rtlr pro Kopf bekommen. Te Manger, Heussel und Vogelbos haben bereits 1300 Rtlr. bekommen, dieses sollte von dem was sie noch von mir zu bekommen haben abgezogen werden. Was immer übrig bleibt, steht Conrad, Dam und Moritz, ich meine zu sagen Conrad, Deinem Bruder und Bruder Moritz und Reiner und Zeliken der Schwester zu. Das ist mein letzter Wille, führe in gewissenhaft aus. Auch meine Woll- und Leinenkleidung soll unter meinen Erben aufgeteilt werden. Stoffel, Dam, Moritz, Reiner und Zeliken sollen ihren Anteil an dem Bargeld bekommen. Das ist von mir Conrad Damisz mit eigener Hand geschrieben am 3. Juli 1663.

Die Erben in Dordrecht gehen gegen diese Verfügung natürlich an ...

Liest man hier zwischen den Zeilen, dass die Ratinger Gemeinde dieses Vermögen nur unter der Bedingung bekommt, dass Christoffel Henrici dort Pfarrer wird? War das die Ursache für das zähe Ringen der Gemeinde bei der Wahl zwischen Gottfried Peill und Christoffel Henrici?

Soweit der momentane Stand der Forschung (Oktober 2008). Fortsetzung folgt!

Unter der Rubrik Nachkommen Heintges befindet sich die Nachkommentafel des um 1620 in Lintorf verstorbenen Dam Heintges. Dort sind Zusammenfassungen aller bisher bekannten Fakten aus dem Leben der einzelnen Familienmitglieder aufgeführt.

Die vollständigen von Drs AB den Haan in Dordrecht gefertigten Transkriptionen können auf seiner Website in den Rubriken "Genealogie Dordrecht" unter van der Linden und "Bronnenpublicaties" unter Acta Dordrecht 1600-1670 eingesehen werden.

Ich danke Andre den Haan für die kompetenten Transkriptionen der alten holländischen Texte und Urkunden, die ergänzenden Recherchen in Dordrecht, seine Erläuterungen zu historischen Hintergründen, die Literaturempfehlungen sowie seine Bereitschaft alle meine Fragen geduldig zu beantworten!

Barbara Lüdecke
Ratingen-Lintorf, im Oktober 2008




Quellenangaben